Donnerstag, 29. November 2007

Philippinen – Montag/Dienstag – Auf eigene Faust/Mall





Mein Handy faengt an auf dem Sofatisch zu vibrieren. Ich nehme es in die Hand und sehe auf dem gelblich erleuchteten Display die Zeitanzeige: 0530 Uhr. Leise ziehe ziehe ich mich um, packe meinen Rucksack und ziehe die Tuer unseres Hotelzimmers zu. Am Vorabend hatte ich beschlossen, heute freuh aufzustehen, um auf eigene Faust in Manila herumzugehen und das morgentliche Treiben zu beobachten, denn mit meinen kleinen Geschwistern koennen wir nie weite Strecken zuegig gehen und ausserdem moegen sie nicht grosse Menschenmassen.

Ich werfe einen Blick in den Rizal Park, aber ausser ein paar vereinzelten Senioren, die Zeitung lesen ist dort noch nichts los. Ich kehre um und streife durch das allmaehlich aufwachende Downtown Manila. Viele Strassenlokale oeffnen ihre Staende und metallene Rollladen werden hochgelassen. Nach ein mehreren Haeuserblocks goenne ich mir in einem Strassenrestaurant in einer Seitengasse einen Kaffee, bevor ich weiter durch Manila auf eine LRT-Station zusteuere. Auf dem Weg entdecke ich einen versteckten chinesischen Tempel und einen leider verschlossenen Sikh-Tempel.

Die Rush Hour hat begonnen und der Verkehr wird immer zaeher, bis schliesslich sogar die Seitenstrassen der grossen Boulevards verstopft sind. Tausende von Menschen gehen zuegig an mir vorbei, die meisten in Uniformen oder Geschaeftsanzuegen. Wo ich gestern noch eine grosse Ansammlung an Fahrradrikschas gesehen habe, stehen Leute und warten auf leere Rikschas. Ich frage einen Sicherheitsbeamten vor einer Jollibee-Filiale welchen Jeepney ich nehmen kann, um nach Chinatown zu kommen. Der Mann laechelt und winkt ohne eine Antwort einen der langen chromverzierten, bunt bemalten Jeeps heran. Ich schaue kurz auf die Aufschrift: UN AvenueQuiapo – San Juan. Immerhin ist es die richtige Richtung. Ich qutsche mich auf das zerschlissene Sitzpolster neben die anderen Fahrgaeste. Ich frage den Mann neben mir, was ich bezahlen werden muss. 7,5 Pesos – 10 Eurocent! Ich danke ihm auf Tagalog, der philippinischen Sprache. Er fragt mich daraufhin, wer von meinen Eltern Filipino sei. Das haben mich schon oft Leute hier gefragt. Er sagt, dass er es wegen meiner Haut- und Haarfarbe (ich faerbe seit einigen Monaten meine Haare schwarz) vermutet hat und weil ich alleine morgens um 0630 in einen Jeepney steige. Jeepneys sind die weitverbreitetsten Verkehrsmittel in Manila und tragen ihren Teil zur Luftverschmutzung Manilas bei. Der Fahrtwind und die darausresultierende Abgase, die in mein gesicht fliegen werden zur Herausforderung fuer meine Augen.

Chinatown hatte mich schon gestern gereizt, aber zu dieser fruehen Zeit ist noch nichts los. Gerade wird ein Markt aufgebaut und ich kaufe mir eine frische Maiskolbe. Ich finde eine grosse Kirche vor. Gerade hat die Messe geendet und die Menschen stroemen auf den Vorplatz, wo alte Frauen kitschige Devotionalien, Weihnachtsschmuck und Duftkerzen anbieten. Ich gehe weiter durch enge Gassen, in denen Fruehstuecklokale geoffnet haben und die Angestellten fleisig braten und brutseln. Sie schuetten das verwendete Oel von einer in die naechste Pfanne, was wohl ein asienweit uebliches Sparverhalten ist. Manchmal werde ich von Leuten angestossen, die Prostituierte anbieten wollen. Ich gehe weiter und bin mir im Angesicht der Millionen von Stundenhotels und Hunderten weissen, alten Maennern Hand-in-Hand mit jungen Filipinas sicher, dass wenn Prostitution in Philippinen verboten wird, die lokale Wirtschaft zusammenbricht. An einer grossen Kreuzung mache ich Halt, die Gegend ist elender und langweiliger geworden. Auf dem Rueckweg kaufe ich Spielzug ein, das ich Danial zu seinem Geburtstag schenken moechte. Ich suche nach moeglichst haltbaren, unzerstoerbaren Spielzeugen, die keine Geduld verlangen, denn das Gegenteil wuerde Danial nicht moegen. Es ist bereits 0900 Uhr und ich beschliesse noch etwas in dem lebhaften Downtown Manila herumzulaufen, bevor ich mich zurueck zum Hotel mache.

Wir essen gemeinsam Mittag in einem indischen Cafe. Danach nehmen wir ein Taxi zur SM Mall of Asia, dem groessten Einkaufszentrum Asiens! Es befindet sich in einem Neubaugebiet auf einer Landaufschuettung in der Manila Bay. Die Bezeichnung „Groesste Mall Asiens“ macht mich zunaechst stutzig. Das zwar moderne, aber nur zweistoeckige Gebaeude beeindruckt mich nicht, da ich die Megamalls aus Malaysia gewohnt bin. Als wir aber dann das dritte riesige Atrium betreten werden die Ausmasse deutlich. Das Einkaufszentrum besteht aus mehreren Gebaeudekomplexen mit mehreren Atrien. Es gibt Geschaeftezeilen an offener Luft und Restaurantalleen in bepflanzten Innenhoefen und einen Baywalk mit Ausblick auf die Manila Bay. Dort ruhen wir uns eine Weile aus, ehe wir zurueck ins Hotel fahren, ich mit den Kids schwimmen gehe und dann von Alizas Firmenkollegin abgehlt werden. Wir laden sie zu einem Essen ein. Es war offensichtlich, dass sie noch nie Halal und einen tuerkischen Kebab gegessen hatte.

Am Dienstagmorgen fuhren wir im Taxi zum Clark Airfield und stiegen in den Flieger zurueck ins geliebte Malaysia. Vor der atemberaubenden Kulisse des maechtigen Vulkans Mount Pinatubo heben wir in den blauen Himmel ab. Nach dem Ausbruch des Vulkans lag der Flughafen einst, wie die gesamte Umgebung unter einer dichten Aschedecke. Nach vier Tagen Nasi Biryani goennen sich alle im Flugzeug einen deftigen Nasi Lemak mit deftigem Preis.

Manila war unheimlich interessant und wir hatten zusammen sehr viel Spass. Dennoch wuerde ich, wenn ich nochmal in dieses Land komme, Manila meiden, da ich nun die wenigen Sehenswuerdigkeiten dort alle kenne.

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