Montag, 27. August 2007

Gemeinsames Gebet

Mir ist fuer diesen Artikel keine bessere Ueberschrift eingefallen. Sie betrifft eine Feier in dem Haus eines Dato’.

Letzten Samstagabend fahren wir alle gemeinsam zum Haus von Sarodins ehemaligen Chefs. Er ist ein Dato’. Dato’ ist ein Titel, wie Doktor, der durch den Koenig an die jeweilige Person uebergeben wird, als Dank fuer einen besonderen, geleisteten Staatsdienst.

Schon im Auto erklaehrte mir Sarodin, dass alle zunaechst gemeinsam das Abendgebet Maghrib und das Morgengebet Ischa'a (Im Islam beginnt der neue Tag direkt nach Sonnenuntergang) zu beten. Diese beiden Gebete liegen zeitlich am naechsten beieinander.

Wir steigen vor einer protzigen Villa in einem gehobenen Viertel Shah Alams aus dem Auto. Der ehemalige Vorgesetzte begruesst Sarodin freundlich. Durch die offenstehende Tuer sehe ich bereits einen hellerleuchteten Raum und mehrere Duzend Frauen in ihren weissen Gebetsgewaendern. In der Empfangshalle des grossen Hauses sind unzaehlige Gebetsteppiche ausgebreitet. Diese Gebetsteppiche lassen sich die meisten Muslime aus Mekkah mitbringen oder kaufen den Teppich dort selbst waehrend ihrer Hadsch-Reise.

Da es schon fast halb Acht ist, wird sofort angefangen und die letzten Frauen werfen sich in ihre Gewaender. Die Maenner sitzen in einem anderen Bereich der Halle, als die Frauen. Danial und Yasmin muessen mitbeten. Sophia und Ich setzen uns auf das Sofa im Fernsehraum. Von dort kann ich ab und zu ueber die Zeitung linsen und den Raum ueberblicken. Ein Mann leitet das Gebet Er redet sehr laut und deutlich eine Mischung aus arabischem und malaiischem Gebetstext. So sagt mir Aliza laeuft es auch in der Moschee in Mekkah ab, nur in einem groesseren Massstab, wo ein Mensch mehrere Millionen Betende anfuehrt.

Nach etwa einer Stunde sind sie mit ihrem letzten Gebet fertig. Manche haengen noch ein weiteres Gebet an, so zum beispiel Sarodin. Dann wird endlich gegessen.

Eine aehnliche Feier mit gemeinsamem Gebet wird an diesem Freitag, dem Unabhaengigkeitstag, in unserem Haus stattfinden. Dann werde ich auch Fotos machen, denn fotografieren wollte ich am letzten Samstag noch nicht wagen, obwohl mir Aliza hinterher sagte, dass ich welche haette machen koennen.

Freitag, 24. August 2007

Indische Hochzeit




Gestern Abend hat mich mein Chapter Leader zu einer indischen Hochzeit eingeladen. Waehrend des Vormittags heute war ich mir noch unsicher, ob ich mitgehen koennte, denn ich wollte ja auch mit den Arbeitskollegen meines Vaters nach Perak fahren.

Um 1230 bekomme ich eine SMS von Sarodin. Der Perak-Ausflug wurde abgesagt. Damit hat sich mein Problem erledigt. Ich moechte schon lange eine indische Hochzeit erleben und habe auch schon meine Klassenkameraden gefragt, ob Hochzeiten in diesem Jahr anstehen wuerden.

Ich werfe mich in mein grau-beiges, indisches Hochzeitsgewand, eine Chippa, die ich vor einem Monat im indischen Viertel der Hafenstadt Klang gekauft habe und lege den dazugehoerigen Schal um.

Um 1815 verlassen ich und Aliza Bukit Jelutong und sie faehrt mich zum KTM Bahnhof in Subang Jaya. Dort steige ich mit Laura und Naja in ein Taxi, das uns zu einem Tempel in Petaling Jaya bringt.

Nach einer Weile entdecke ich das Auto von Mr. Bernhard. Mit ihm sitzen seine Frau und zwei unserer neuen Gastschueler. Johanna kommt aus einem Dorf in der Naehe von Hannover, waehrend Guileme (???!!!???) aus dem Osten Frankreichs stammt. Beide sind seit rund eineinhalb Monaten in Malaysia und wohnen in malaiischen Familien in Shah Alam.

Wir verstauen unsere Schuhe im Auto, den Mrs. Bernhard sagt uns, dass vor dem tempel viel gestohlen wird. Wir durchschreiten den kleinen hinduistischen Tempel und betreten den Hochzeitssaal dahinter. Bevor ich den Raum betreten kann, bittet mich und die anderen mehrere Frauen ein Bindhi auf die Stirm aufzustreichen.

Auf der Buehne ist ein Thron und viele Schalen mit Opfergaben ausfgestellt. Die Fotografen und der oberkoerperfreie Brahmane warten schon. Langsam fuellen sich die Stuhlreihen. Als die Trommeln ertoenen verstummen unsere Gespraeche.

Zunaechst wird der Braeutigam hereingefuehrt und setzt sich auf das Sofa. Dann folgt eine Minuten spaeter die Braut in einem besonders schoenen Hochzeitskleid und auffallendem Kopfschmuck.

Dann folgen waehrend der Vermaehlungszeremonie mehrere Rituale. Eines beinhaltet die dreifache, gegenseite Uebergabe zweier praechtigen Blumenkette. Bei einem anderen streuen Familienangehoerige Saffranreis auf die aeusseren Haende, die aeusseren Schultern und zwischen die beiden Koepfe in einer bogenfoermigen Bewegung beider Haende. Ab und zu fuehrt der Brahmane Riten durch oder gibt Anweisungen. Das ganze laeuft ziemlich chaotisch ab.

Rechts und Links des Throns stehen die engsten Verwandten. Die Trauzeugen sind die jeweils juengsten, andersgeschlechtlichen Geschwister des Partners. Beide Trauzeugen gehen durch den Saal und verteilen Saffranreis. Schliesslich wird die Trommelmusik immer lauter und schneller. Dann ueberhaengt der Braeutigam der Braut eine Kette aus purem Gold und die Menschenmenge wirft ihren Reis nach vorne. Das Brautpaar steht auf un der Mann fuehrt die Frau dreimal um die Opfergaben und das Feuer.

Danach darf jeder das Brautpaar auf der Buehne beglueckwuenschen. Nachdem wir einige Bilder geschossen haben gehen wir in den Speisesaal und essen etwas. Vor dem Speisessal ist mit gefaerbten Reis ein Bodenbild gemalt worden. Ein deutlicher Unterschied zu einer malaiischen Hochzeit besteht darin, dass viel weniger gegessen wird und das Cateringessen nicht so pompoes ausfaellt. Ich spreche darueber, nur im Wissen einer einzigen indischen Hochzeit. Meine Chapterbosse sagen, dass das Brautpaar relativ wohlhabend ist. Es soll anscheinend noch wohlhabender werden, denn eine Figur des Wohlstandgottes schmueckt den Baldachin auf der Buehne.

Ausflug nach Sabah

Heute morgen habe ich meinen Rueckflug von Tawau nach Kuala Lumpur gebucht, denn ich plane seit einigen Wochen mit einigen AFS Freunden einen Ausflug in den Bundesstaat Sabah auf Borneo im Januar, nach Ende unseres AFS Programms.

Ich werde auf jeden Fall mit meinen Freunden den hoechsten Berg Suedostasiens, den Mount Kinabalu besteigen und voraussichtlich ein Orang Utan Rehabilitationszentrum besuchen und einen Tauch- bzw. Schnorchelausflug unternehmen.

Waehrend dem zehntaegigen Trip werden wir grosse Teile des Bundesstaates, der fast so gross ist, wie Deutschland, kennen lernen.